„Die Potenziale für alle besser nutzen“

17.09.2019

"Es wird deutlich, dass die Digitalisierung noch nicht bei den KMU angekommen ist", fasst ein Teilnehmer zusammen. 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus KMU in OWL und Wissenschaft tauschten sich am 16. September 2019 in einem Gestaltungsworkshop der „Plattform Industrie 4.0“ in der SmartFactoryOWL in Lemgo zu Anwendungsfällen aus der Unternehmenspraxis und den Anforderungen an die Industrie 4.0-Verwaltungsschale aus.

Fazit des Workshopleiters Florian Pethig, Gruppenleiter am Fraunhofer IOSB-INA in Lemgo: „Der lebhafte Diskurs zeigt, dass sich die Unternehmen aktiv und konkret mit den Themen rund um inner- und überbetriebliche Interoperabilität ihrer Assets auseinandersetzen. Die Einsparpotenziale sind da: Wir müssen jetzt die einfache Anwendbarkeit der Verwaltungsschale sicherstellen und die Unternehmen dazu befähigen, die Potenziale auszuschöpfen - insbesondere im Mittelstand.“

Workshop1
Das Netzwerk „Plattform Industrie 4.0“ schafft die Grundlagen für dieses standardisierte Informationsmanagement und bringt produzierende Unternehmen, Entwickler und Anwender an einen Tisch, um die Spezifikationen aktiv mitzugestalten. Federführend in der Gremien- und Entwicklungsarbeit der Plattform sind neben Fraunhofer Lemgo auch der ifak e.V., dessen stellv. Institutsleiter Prof. Dr. Christian Diedrich ebenfalls am Workshop teilnahm.
Einleitende Worte durch Florian Pethig und Prof. Dr. Christian Diedrich zum Konzept, dem aktuellen Entwicklungsstand und dem Potenzial der Verwaltungsschale wurden untermauert durch anschauliche Praxisberichte von Anja Moldehn und Andreas Orzelski von PHOENIX CONTACT sowie Denis Göllner von LENZE. In der anschließenden Diskussion mit Vertretern aus sechs weiteren KMU aus OWL wurde deutlich, welchen Herausforderungen die Unternehmen derzeit in ihrem Tagesgeschäft in Bezug auf die Nutzung von Maschinendaten und Dokumentationspflichten in Produktionsprozessen, wie bspw. Granulatfeuchtegrade in Spritzgussproduktionen, gegenüberstehen.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sehen das größte Einsparpotential in der Vereinheitlichung von Kommunikationsschnittstellen. „Wir sprechen mitunter von einem Viertel der Wartungskosten, die derzeit auf Schnittstelleninsellösungen entfallen,“ fasst Pethig zusammen. Die Entwicklung der Verwaltungsschale zielt eben darauf ab, eine universelle Industrie 4.0-Schnittstelle als Standard zu etablieren, die die anwenderfreundliche Interoperabilität von Assets, inner- und überbetrieblich, sicherstellt. Ein Asset wird dabei definiert als Entität, die einen wahrgenommenen oder tatsächlichen Wert für eine Organisation hat und der Organisation gehört oder von ihr individuell verwaltet wird.

In drei Arbeitsgruppen unter den Titeln „Insellösungen“, „Dokumentation“ und „Durchsetzung von Standards“ wurden Anforderungen an die Verwaltungsschale definiert. „Das Feedback aus den Arbeitsgruppen und insbesondere aus den KMU ist essentiell für die Weiterentwicklung und Durchsetzung der Verwaltungsschale“, resümiert Florian Pethig im Nachgang des Workshops. „Aktivitäten wie der gemeinsame Workshop können dann als Erfolg gewertet werden, wenn wir die KMU dazu befähigen, diese Potenziale sichtbar zu machen und zu nutzen - und ihnen gleichzeitig die aktive Mitgestaltung dieser Technologien hinsichtlich ihrer branchenspezifischen Anforderungen ermöglichen.“